Verblechung total in 1:25

Hier ist der richtige Platz für Modellbau mit anderen Materialien als Karton. Also Plastik, Metall, Holz, ...

Moderator: Franz

Antworten
Benutzeravatar
fuchsjos
aktiver User
Beiträge: 236
Registriert: 11.08.2005, 11:16
Wohnort: Wien, Österreich

Verblechung total in 1:25

Beitrag von fuchsjos » 15.08.2005, 00:54

Answer, sIG-33, 1:33

Vor über einem Jahr hatte ich ein neues Projekt gestartet, bei dem ich versuchweise einen Kartonbausatz in ein Metall-Modell umgewandelt habe. Die gedruckten Teile wurden am Computer neu gezeichnet (bzw. neu konstruiert) und mit einigen Veränderungen (Detaillierungen) aus Messingblech mit 0,3 mm Dicke geätzt.
Der komplette Baubericht mit mehr als 100 Bildern würde den Rahmen sprengen und außerdem ist an anderer Stelle bereits der Link dafür plaziert. Aber ein paar ausgesuchte Bilder des fertigen Modells möchte ich Euch doch zeigen:

Hier die ersten 4:

Bild

Bild

Bild

Bild
Benutzeravatar
fuchsjos
aktiver User
Beiträge: 236
Registriert: 11.08.2005, 11:16
Wohnort: Wien, Österreich

Beitrag von fuchsjos » 15.08.2005, 00:58

Und hier die letzten 4:

Bild

Bild

Bild

Bild

Das komplette Modell besteht zu 90% aus den originalen Dimensionen der Kartonteile und der Versuche diese in Metall wiederzugeben, hat sehr gut funktioniert. In vielerlei Hinsicht ist die Bearbeitung von Metall und Papier sehr ähnlich und in beiden Fällen geht es um die Umsetzung von 2 Dimensionen in 3.

Servus

Josef
Benutzeravatar
Rupert
aktiver User
Beiträge: 18
Registriert: 21.01.2005, 15:46
Wohnort: St. Pölten

Beitrag von Rupert » 15.08.2005, 14:34

Hallo Josef!

Dieser Bausatz sieht fantastisch aus. Super gemacht.
Ein paar Fragen dazu:
Mit welchem Programm am Computer konstruierst du die Teile und wo läßt du die Teile dann ätzen?
Danke
Mit freundlichen Grüßen
Rupert
Hman
aktiver User
Beiträge: 55
Registriert: 19.01.2005, 19:17
Wohnort: Kumberg/Graz

Beitrag von Hman » 15.08.2005, 15:12

Hi Josef

Ich bin ein klein wenig lästig und würd gern fragen ob du mir eine kleine Anleitung geben könntest, wie du die Modellbaubögen ins Konstruktionsprogramm bekommst.
Wer ein Rechtschreibfehler findet, darf ihn behalten.
Benutzeravatar
fuchsjos
aktiver User
Beiträge: 236
Registriert: 11.08.2005, 11:16
Wohnort: Wien, Österreich

Beitrag von fuchsjos » 15.08.2005, 16:07

Rupert hat geschrieben:Hallo Josef!

Dieser Bausatz sieht fantastisch aus. Super gemacht.
Ein paar Fragen dazu:
Mit welchem Programm am Computer konstruierst du die Teile und wo läßt du die Teile dann ätzen?
Danke
Mit freundlichen Grüßen
Rupert
Hallo Rupert!

Danke für die Anerkennung (artig verbeug')!

Da ich beruflich in der Konstruktion und Planung tätig bin, habe ich das Glück mit dem Programm SolidWorks arbeiten zu können. Das Ätzen der Teile mache ich selbst. Da ein weiteres Hobby von mir die Elektronik ist (auch beruflich sehr von Vorteil) und die Geräte zum Ätzen die gleichen wie zum Print herstellen sind ... war es keine große Sache, die Ätzerei einmal zu probieren.

Servus

Josef
Benutzeravatar
fuchsjos
aktiver User
Beiträge: 236
Registriert: 11.08.2005, 11:16
Wohnort: Wien, Österreich

Beitrag von fuchsjos » 15.08.2005, 16:27

Hman hat geschrieben:Hi Josef

Ich bin ein klein wenig lästig und würd gern fragen ob du mir eine kleine Anleitung geben könntest, wie du die Modellbaubögen ins Konstruktionsprogramm bekommst.
Grüß' Dich Hman!

Du bist überhaupt nicht lästig! Ich beantworte Fragen gerne, soweit es in meiner Macht steht. Gegenseitige Hilfe und Erfahrungsaustausch sind ja der Hauptzweck eines solchen Forums.

Wie bereits oben erwähnt, arbeite ich mit SolidWorks. Die Prozedur zu Deiner Anfrage funktioniert aber auch mit anderen (vorzugsweise Vektor orientierten) Programmen, z.B. CorelDraw, AutoCAD, Rhinozerus ...

Zuerst werden die Originalbögen gescannt. Diese Bitmap-Datei wird dann im jeweiligen Programm als Hintergrundgrafik geladen und mit den entsprechenden (Vektor) Werkzeugen nachgezogen (Linie, Kurve, Kreis, Kreisbogen, Ellipse ...). Im Zweifelsfall wird auch noch zusätzlich mit einem guten Lineal beim Original nachgemessen. Durch die Vektorgrafik ist ein vergrößern/verkleinern sehr genau und ohne Verluste möglich. Die ganze Prozedur ist jedenfalls recht zeitaufwendig und nichts für Leute ohne Ausdauer und Geduld.

Bei meinem Programm (SolidWorks) kommt dann noch dazu, daß die nachgezogenen Kurven als Basis für eine 3D-Konstruktion verwendet wurden. D. h. alle Teile wurden als dreidimensionale Objekte (in diesem Fall Blechteile) erstellt und dann wie beim echten Modell am Computerschirm virtuell zusammengebaut und eventuell angepaßt, verfeinert. Diese Teile konnten dann als sogenannte Abwicklungen wieder in ein Grafikprogramm (CorelDraw) exportiert werden und als Filme aufbereitet. Diese Filme habe ich mir in einem Reprostudio belichten lassen. Mit den Filmen war dann eine Belichtung der (mit Fotolack beschichteten) Messingplatten leicht möglich. Anschließend wurden die Bleche entwickelt und geätzt.
Den ganzen Vorgang kann man sich quasi als chemische Laubsäge vorstellen.

Das folgende Bild zeigt eine Ansicht des virtuell gebauten Geschützes im Programm SolidWorks.

Bild

Und einige Bilder aus dem Baufortschritt:

Bild

Bild

Bild

Bild

Servus vom

Josef
Benutzeravatar
Gerald
aktiver User
Beiträge: 149
Registriert: 03.11.2004, 21:03
Wohnort: Wels
Kontaktdaten:

Beitrag von Gerald » 15.08.2005, 18:14

hallo josef,

ich bin sprachlos. dieses projekt ist faszinierend. mich würde interressieren wie lange du dafür benötigt hast (stunden, tage, wochen, monate, jahre, jahrzente,.....)? mich reizt seit ich ein fachbuch von jens nissen aus dem motorbuchversand habe die "beplankung" von modellen mit aluminium, bzw. das herstellen von "einschusslöchern". hast du damit erfahrung?

lg

gerald
Benutzeravatar
fuchsjos
aktiver User
Beiträge: 236
Registriert: 11.08.2005, 11:16
Wohnort: Wien, Österreich

Beitrag von fuchsjos » 15.08.2005, 21:41

Gerald hat geschrieben:hallo josef,

ich bin sprachlos. ...
lg

gerald
Tja, glücklicherweise wird im Forum ja geschrieben, da stört das nicht so ... :wink:

Danke für die Blumen! Das Projekt hat sich ziemlich genau ein Jahr meines Lebens geschnappt. Ist aber nicht weiter schlimm, ein Grundsatz bei meinen Basteleien ist, je länger ich damit zu tun habe, destoweniger Probleme habe ich mit dem Platz für die fertigen Dinger.

In meiner Plastik-Modellbau Epoche habe ich einmal eine Mustang mit echter Aluminium.Beplankung in 1:72 gebaut. War eine unglaubliche Fitzelei. Alle halbwegs ebenen Flächen wurden auf normale Aluminium Haushaltsfolie übertragen und dann mit Klarlack auf das Flugzeug geklebt. Stark gekrümmte Flächen habe ich mit verschieden abgetönten Silberlacken bemalt. Das Ergebnis war umwerfend und sah sehr realistisch aus, weil die unterschiedlichen Walzrichtungen der Folie und die unterschiedlichen Farbtöne dem Original sehr nahe kamen. Leider gibt es das Modell nicht mehr und Fotos habe ich damals auch keine gemacht (ist ja auch schon ein Weilchen her - so ca. 25 Jahre ------ :roll: Gott, bin ich schon alt! :o )

Einschußlöcher habe ich im gleichen Zeitalter bei Panzern von Tamiya in 1:35 verschiedentlich getestet. Am besten haben die ausgesehen, wenn ich mit einer heißen Nadel (Näh-, Steck-, Strick- je nach Kaliber) das Loch ins Plastik geschmolzen habe und die Ränder dann mit einem scharfen Messer etwas zurecht geschnitzt habe.

Servus

Josef
Benutzeravatar
Gerald
aktiver User
Beiträge: 149
Registriert: 03.11.2004, 21:03
Wohnort: Wels
Kontaktdaten:

Beitrag von Gerald » 15.08.2005, 22:09

hi josef,

also das mit dem schreiben im forum war echt gut ( :D :D :D )........schade, dass es deine mustang nicht mehr gibt. hätte gerne fotos davon gesehen. hab mir vor kurzem von revell die spitfire in 1:32 gekauft und werde mit diesem bausatz ein paar trick's aus dem tollen buch von jens anwenden.
zuerst warte ich aber auf die modellbauaustellung im september in ried i. innkreis, da gibt's tolle anregungen zum plastikmodellbau ( :wink: ).

gruss

gerald
Sepp
aktiver User
Beiträge: 23
Registriert: 17.11.2004, 21:30

Beitrag von Sepp » 16.08.2005, 06:59

Angesichts dieser Professionalität bleibt mir Papierschnippsler natürlich die Spucke weg :!: .
Ich will aber die Gelegenheit nutzen und den Vollprofi Josef fragen, ob er schon einmal versucht hat, Papier derart zu verformen, dass realistisch bombierte Teile (für Rümpfe etc.) entstehen - keine Kegelstümpfe. Die einzige Möglichkeit sehe ich bisher nur darin, die Teile der Länge nach in 1-2mm Breite Streifen aufzuschneiden, sodass sie gerade noch durch die Laschen an den Enden zusammen gehalten werden.
Anschliessend wären Papierringe in die Kegelstumpfteile ein zu kleben
, welche die Streifen auseinanderstrecken. Dann müsste mit viel Kitt und Lack dem Ganzen wieder eine glatte Obefläche gegeben werden.

Schöne Grüße
Sepp (manche nennen mich auch Josef)
Benutzeravatar
fuchsjos
aktiver User
Beiträge: 236
Registriert: 11.08.2005, 11:16
Wohnort: Wien, Österreich

Beitrag von fuchsjos » 16.08.2005, 21:36

Hallo Sepp!

Ich bleibe bei dieser Namensform sonst komme ich noch ganz durcheinander.
Ja, ja ... die sogenannten doppelt gerundeten Teile (typ. Vertreter: Bombenkappen, Propellernaben. Reifen ...) haben mir auch schon einiges Kopfzerbrechen bereitet. Aber ich habe eine ideale und relativ einfache Lösung gefunden. Dafür benutze ich jenes Medium, daß die meisten Kartonbauer meiden, wie der Teufel das Weihwasser - dabei liegt die Lösung so nah - Wasser. Unser geliebtes Bastelmedium (ich sehe Papier und Karton immer als evolutionstechnische Erweiterung von Holz) hat nämlich einen Riesenvorteil gegenüber seinem Zellulosespender - es ist mit Feuchtigkeit hervorragend formbar. Beispiele gefällig? Schon mal einen Eierkarton betrachtet? Oder schon mal gesehen, wie sich eine Tapete um ein Kabel schmiegt? Wie nun - was nun - ab in die Dusche?

Nein, nein! Zuerst ein Ergebnis, was möglich ist:

Typischer Vertreter der Halbkugel-Variante, ein Scheinwerfer des Jeeps, den ich momentan gerade in Arbeit habe.

Bild

Entstand daraus:

Bild

Der Teil wurde erst ganz normal ausgeschnitten, geformt und verklebt (mit wasserhältigem Klebstoff - Wicoll; kein UHU!). Dann befeuchtet - ich verwende meine alte Airbrush dafür, ein Parfümzerstäuber geht aber auch; wichtig ist, das Papier sollte nur feucht sein, nicht naß. Im feuchten Zustand wurde mit einem glatten kugelförmigen Gegenstand (z.B. ein Letraset Anreibelöffel oder eine Häkelnadel) von innen fest vorgeformt und der letzte Schliff dann mit einem Spezialwerkzeug aus der Goldschmiede gegeben.
Das Ding nennt sich Kugelpunze und ist mit entsprechenden Anken als Rundformer von Blech (und auch feuchtem Papier/Karton) zu verwenden. Erhältlich ist so etwas z.B. bei www.zujeddeloh.de.

Bild

Ist auch gar nicht so teuer, wie es aussieht, denn für unsere Bedürfnisse reichen die Angebote für die Hobby-Goldschmiede.

Da trotz aller Formerei und Presserei immer noch die Nähte der einzelnen Lappen zu sehen sind (die Dinger, die ein Kartonmodell sofort als ein solches identifizierbar machen :cry: ) habe ich abschließend ein rundes Stück Seidenpapier ausgestanzt, auf die Kugelanke gelegt, den Teil dünn mit kleber bestrichen, und noch einmal mit der Kugelanke eingepreßt. Das Ergebnis war eine recht saubere Halbkugel mit einem Pfaffenkäppi aus Seidenpapier. Abschließend wurde alles mit verdünntem Kleber (Wicoll oder Ponal) eingestrichen und nach dem Trocknen entsprechend lackiert.

Die beiden Hauptscheinwerfer vom Jeep sind genau so entstanden.

Bild
Zuletzt geändert von fuchsjos am 16.08.2005, 21:49, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
fuchsjos
aktiver User
Beiträge: 236
Registriert: 11.08.2005, 11:16
Wohnort: Wien, Österreich

Beitrag von fuchsjos » 16.08.2005, 21:46

Fortsetzung ...

Ein weiterer schwieriger Vertreter für Papierteile sind Reifen aller Art. Hier wird ebenfalls mit Feuchtigkeit gearbeitet. Nur die Druckmittel sind ein wenig anders. Beim Jeep hätten die Reifen aus einem einfachen Kegelstumpf sein sollen ... aber nicht bei mir.

Bild

Also habe ich ein geeignetes Teil für die Verformung gesucht und habe schlußendlich einen Dichtring für Abflußrohre (aus dem Baumarkt) verwednet, den ich erst auf den richtigen Durchmesser zugeschnitten habe (und mit Superkleber wieder zum Ring gemacht) und dann die befeuchteten Kegelstümpfe mit einer Glasscheibe auf eine Filzunterlage gepreßt.

Bild

Das Ergebnis sah schon eher nach einem Reifenteil aus.

Bild

Die Reifen selbst konnten dann sogar vor meinen selbstkritischen Augen bestehen. Diese Lösung könnte auch bei den typischen GELI-Reifen funktionieren, nur halt mit kleineren O-Ringen aus der Baumarkt/Sanitärabteilung.

Bild

Die Reifen haben dann natürlich auch noch Profil erhalten (nicht die Zeitschrtift) - aber das ist eine andere Geschichte.

Servus vom

Josef
Antworten